Bericht aus Flensburger Tageblatt

Kinder warten zweieinhalb Jahre auf Schwimmkurs

Flensburger Tageblatt

05. Juli 2022

Ulrike Thielemann vom Flensburger Schwimmklub (FSK) findet es „unerlässlich“, dass das Campusbad endlich einen Anbau bekommt. Nicht nur in ihrem Verein sind die Wartelisten für die Schwimmkurse lang.

Wer sein Kind heute für einen Anfängerkurs beim Flensburger Schwimmklub (FSK) anmeldet, kann damit rechnen, dass es für Anfang 2025 einen Platz bekommt. Vorausgesetzt, das Kind ist bis dahin nicht zu alt für den Kurs. „Wir müssen inzwischen sogar Kindern komplett absagen“, sagt FSK-Schwimmwartin Ulrike Thielemann.

Auch die anderen Schwimmkurs-Anbieter in Flensburg stehen vor demselben Problem. Seit einiger Zeit bietet zusätzlich zu den Vereinen auch das Campusbad selbst Schwimmkurse an. Auch hier sind alle Kurse bis Mitte 2023 ausgebucht. Spätere Termine sind für die Anmeldung noch nicht freigeschaltet.

Diese hohe Auslastung ist ein wesentlicher Grund dafür, warum man in der Flensburger Kommunalpolitik nun Pläne für einen Anbau am Campusbad vorantreiben will.

Dieser Anbau sei „unerlässlich für Flensburg“, meint Thielemann. Anderenfalls sei eine qualifizierte Schwimmausbildung nicht mehr sichergestellt.

Die DLRG klagt schon seit Jahren, es wachse eine „Generation von Nichtschwimmern“ heran. Dass zu Beginn der Corona-Pandemie die Schwimmbäder über viele Monate geschlossen waren, hat diesen Trend noch verstärkt.

Kein Mangel an Schwimmlehrern

Die aktuell langen Wartezeiten hängen aber nicht nur mit dem Nachholbedarf nach den Corona-Lockdowns zusammen, sagt die FSK-Schwimmwartin. „Wir hatten auch vor Corona schon Wartezeiten von über einem Jahr.“

In der Campushalle gebe es schlicht nicht genügend Bahnen für eine Stadt von der Größe Flensburgs. Schwimmtrainer für zusätzliche Kurse zu finden, wäre hingegen gar kein Problem.

„Der einzig limitierende Faktor ist die zur Verfügung stehende Wasserfläche.“ — Ulrike Thielemann Schwimmwartin beim Flensburger Schwimmklub

Dennoch suche man immer nach neuen Trainerinnen und Trainern, denen der Verein selbst die Möglichkeit zur Ausbildung bietet. „Wir arbeiten hier sehr viel mit Studierenden, und die verlassen uns ja spätestens, wenn sie ihren Master erreicht haben.“

Freie Kapazitäten in Glücksburg

Ulrike Thielemann hat aufmerksam registriert, dass die Erweiterungs-Pläne für das Campusbad in Glücksburg auf Skepsis stoßen, weil man fürchtet, dass die defizitäre Fördeland-Therme, in der es freie Kapazitäten gibt, dann noch mehr ins Hintertreffen gerät.

Nach Glücksburg auszuweichen, sei für die Flensburger Vereine aber keine Lösung. Das, was jetzt für das Campusbad geplant ist, sei in der Fördeland-Therme ohnehin nicht vorhanden. „Es gibt in Glücksburg weder ein Therapieschwimmbecken noch ein richtiges Lehrschwimmbecken.“

Auch wenn der Campushallen-Anbau kommen sollte: Für die Kinder, die jetzt schon auf den Wartelisten stehen, dürfte sich so schnell nichts ändern. Die Pläne stehen noch ganz am Anfang. Es ist noch nicht einmal bekannt, wie viel das Vorhaben kosten wird.

Dabei steht Flensburg mit den langen Schwimmkurs-Wartelisten nicht allein. Bei der DLRG in Schleswig zum Beispiel müssen die Kinder derzeit anderthalb Jahre warten.

Auch in der Glücksburger Fördeland-Therme sind die Seepferdchen-Kurse ausgebucht. Allerdings bekommt man hier sehr viel schneller dran als anderswo. Stand Dienstag waren im Kurs, der nach den Herbstferien 2022 startet, noch zwei Plätze frei.

 

Schwimmwartin Ulrike Thielemann und Trainerin Felicitas Hornschuh hoffen auf die Campusbad-Erweiterung.

Foto von Flensburger Tageblatt | Marcus Dewanger

Loading...
Consent Management Platform von Real Cookie Banner